„Hospiz macht Schule“ startet in die zweite Runde

Projekt Hospiz macht SchuleNach der gelungenen Premiere geht das Projekt „Hospiz macht Schule“ in die zweite Runde, erneut an der Grundschule Im Reitwinkel. Start soll im Herbst sein. Überrascht ist das Hospiz-Team aber, dass das Interesse der anderen Schulen gleich null ist. „Tod und Sterben sind leider immer noch negativ belegt. Damit möchten sich viele Lehrer offensichtlich nicht befassen“, vermutet Marianne Michel. Trotzdem wollen die Expertinnen ihr Projekt zweimal im Jahr anbieten. Darum haben auch weitere Ehrenamtliche die spezielle Schulung besucht. Sie alle warten auf ihren Einsatz.

INFO

Das Projekt „Hospiz macht Schule“ wurde vor 11 Jahren in Düren entwickelt und wird mittlerweile in vielen Städten praktiziert. Fünf geschulte Ehrenamtliche gehen fünf Tage in eine Klasse. Die Projektwoche hat an jedem Tag einen neuen Schwerpunkt.

Wer mitmachen möchte, kann sich bei Marianne Michel informieren,
Tel. 02361 6093 16, mittwochs von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr, oder per E-Mail:
marianne.michel[at]franziskus-hospiz.de

Dem Tod die Tür öffnen – Projekt „Hospiz macht Schule“

Dem Tod die Tür öffnen – Projekt „Hospiz macht Schule“ startet in Recklinghausen – Kinder reden übers Sterben

„TOD“. Ist das nicht ein schreckliches Wort? Steht es in der Regel doch für Trauer, Verzweiflung, Angst und Einsamkeit.“Nein“, sagt Marianne Michel entschieden. „Nein“, das muss nicht sein“. Die Frau aus dem Recklinghäuser Hospiz möchte die dunklen Wolken verscheuchen, will den Schrecken nehmen und schon Kindern zeigen: Der Tod gehört zum Leben dazu und ist etwas Natürliches.

„Hospiz macht Schule“ heißt das ehrgeiziges Projekt, das nun auch in Recklinghausen startet. Viertklässler der Grundschule Im Reitwinkel sind die Ersten, die vom Engagement der Ehrenamtlichen profitieren.

Projekt Hospiz macht Schule„Der Tod sollte  für Jungen und Mädchen keine Tabu sein“, betont Ursula Ortwerth, Mitarbeiterin im Hospiz an der Feldstraße, und nickt entschieden. Aber auch sie weiß, dass das oftmals ein frommer Wunsch ist. „Tod und Sterben sind leider negativ belegt. Es gibt viele Berührungsängste“, erzählt sie weiter, und Bedauern klingt in ihrer Stimme. „Immer noch“.

Doch genau das wollen die Freiwilligen ändern. Dabei rechnen sie nicht mit Problemen. Denn: „Kinder sind zunächst einmal offen und locker. Sie sind neugíerig und haben Fragen. Das ist unsere Chance“, erklärt Hildegard Pelz, die ebenfalls zum Team der Engagierten gehört. Und Mitarbeiterin Kerstin Waaga verspricht: „Wir wollen sie mit diesem Thema nicht allein lassen und geben ehrliche Antworten“. Am Montag, 8. Juni, ist es so weit, gestalten die Frauen fünf Tage lang einen Stundenplan. „Wir haben uns gefreut, dass wir als erste Schule dabei sind“, berichtet Schulleiterin Anne Haumann. Die Kinder seien schon sehr gespannt. Bedenken von Seiten der Eltern habe es nicht gegeben. „Schließlich sprechen wir nicht über Trauriges, sondern vor allem über das Ende des Lebensweges, über Begleitung im positiven Sinne“, betont die Lehrerin. Und die Hospiz-Mitarbeiterinnen wissen genau, worüber sie reden, betreuen sie doch seit vielen Jahren Sterbende und Trauernde. Sie möchten vor allem die bedrohlichen Bilder aus den Köpfen der Jungen und Mädchen vertreiben und nicht zuletzt: die Sprachlosigkeit der Erwachsenen.

„Das Nicht-Reden ist das Schlimme. Plötzlich wird geflüstert. Das alles macht den Kindern unnötig Angst, verunsichert sie“, weiß Ulrike Steinberg. Sie und ihre geschulten Kolleginnen gehen dagegen ganz selbstverständlich mit dem Thema um. Warum nicht einen Bestatter besuchen, mal eine Urne in die Hand nehmen? Im Film „Willi will’s wissen“ bekommen die Jungen und Mädchen einen ersten Einblick. Und dann tasten sie sich heran, in kleinen Gruppen, ganz behutsam, an das schwierige Thema. Sie basteln und malen, sie spielen und begeben sich auf Fantasiereisen. „Bestimmt haben einige der Kinder schon mal Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Da ist es die Oma oder der Opa, oder aber der Hamster, der plötzlich nicht mehr da ist. Da kommen wir schnell miteinander ins Gespräch“, sagt Koordinatorin Marianne Michel. Und sie reden über die vielen Dinge: über die Art des Sterbens, über Krankheiten und Leiden, über Jenseitsvorstellung und Bestattungsrituale, über das Traurigsein und Trost. Bei diesem Aspekt muss Hildegard Pelz immer daran denken, wie ihr Sohn als kleiner Junge den Tod des Großvaters verarbeitet hat: „Er war fest davon überzeugt, dass sein Opa nun zufrieden mit den Kumpels auf einer Wolke sitzt, Skat spielt und Schokoladenpudding futtert“, erinnert sie sich schmunzelnd.

INFO – Aktion gibt es seit 2005

Bei dem sensiblen Thema Tod und Sterben hat es sich die Hospizbewegung zum Ziel gesetzt, Berührungsängste abzubauen, und zwar auch bei den Kindern.

  • Das Projekt „Hospiz macht Schule“ wurde vor 10 Jahren in Düren entwickelt und wird mittlerweile in vielen Städten praktiziert.
  • Fünf geschulte Ehrenamtliche gehen für fünf Tage in eine Klasse. Die Projektwoche hat an jedem Tag einen neuen Themenschwerpunkt.
  • In Recklinghausen startet das Projekt in der Schule Im Reitwinkel, die in direkter Nachbarschaft zum Hospiz liegt. Das engagierte Team plant fortan zwei Projektwochen im Jahr.

Projekt-Koordinatorin Marianne Michel, Tel. 02361 609316 (Mittwoch)