Die Hospizbewegung hat auch China erreicht

Nichtamtlichen Informationen zufolge, soll es schon rund 250 Hospizeinrichtungen in China geben. Über den Senioren-Experten-Service SES hatte ich vom 7. – 27. Januar 2019 den Auftrag, dass im August 2018 eröffnete Hospiz des 2. People Hospital in Lianyungang u.a. zu analysieren, die Schulung der Mitarbeiter vorzunehmen und in innovative Pflegemodelle einzuführen.

Die Einrichtung steht schlichtweg noch am Anfang  zu einer eigenen chinesischen Hospizphilosophie; allerdings mit sehr großer Bereitschaft der Krankenhausleitung und der Mitarbeiter,  die Erfahrungen des Hospizes z. hl. Franziskus in Recklinghausen aufzunehmen.

Die Wißbegierigkeit der Schwestern Informationen über die in Deutschland gewonnenen Praktiken aufzunehmen und zu verarbeiten war so groß, dass die Schulungen auch mir sehr viel Freude bereitet haben.

Es wurde vereinbart, in kleinen Schritten unter Berücksichtigung der chinesischen Kultur und Lebensweisen, eine eigene chinesische Hospiz- und Palliativ-Philosophie unter Einbeziehung der Recklinghäuser Erfahrungen zu entwickeln.

Ich habe auch zugesagt, die nächsten Schritte permanent zu begleiten und zu überlegen, ob es auch zu einer Hospizpartnerschaft zwischen Lianyungang und Recklinghausen kommen kann.

Im Gegensatz zu den mir bisher zugänglichen Presseinformationen, habe ich keine Behinderungen in der Ausübungen des christlichen Glaubens erfahren, denn genau umgekehrt gibt es im Hospiz einen eigenen christlich orientierten Meditationsraum und in der Nähe eine große katholische Kirche.

Dankbar bin ich für eine Gastfreundschaft, die meine Vorstellungen weit übertroffen hat.

Dechant Overkämping, der Erfinder des Hospizes

Für den Garten blieb früher nicht viel Zeit. Heute ist er für Pastor I.R. Hans Overkämping, der noch regelmäßig in der Gemeinde aushilft, der verdiente Ausgleich.

Der Tod war und ist Hans Overkämpings ständiger Begleiter. Seinen Vater verlor er im Krieg. Die Opfer der Bombardierung des Krankenhauses in seinem Geburtsort Rhede und Jahre später einen Unfall auf den Bahngleisen vergisst er nie. Schon früh suchte er den Sinn im Leben – und Sterben.

Als  junger Mann engagierte er sich bei den Pfadfindern und war beim Roten Kreuz, wo er als Jugendlicher einen tödlichen Unfall auf einem Bahngleis erlebte. Von menschlichen Tragödien geprägt, war es „die unheile Welt“, die ihn motivierte, das Abitur nachzuholen und ins Münsteraner Priesterseminar einzutreten. Er studierte bei Joseph Ratzinger, Karl Rahna und Johannes Metz.

Nach seiner Priesterweihe vor 40 Jahren folgten seine „Kaplanjahre“ in Gronau, Bocholt und Geldern. Nach zehn Jahren, eigentlich hätte er eine Pastorenstelle bekommen sollen, aber es war keine frei, wechselte er nach Recklinghausen, wurde auch Klinikseelsorger. „Das größte Glück, das mir passieren konnte“, sagt der 72-Jährige.

Auf Deutschlands erster Krebsstation im Elisabeth-Krankenhaus wurde er mit Menschen am Lebensende konfrontiert. Seine Erfahrung: Die Sterbenden haben Angst vor Schmerzen, möchten bei ihrem letzten Weg nicht allein sein. Er suchte nach einem Weg, „menschenwürdiges Sterben“ möglich zu machen und fand einen. Mit Schwester Reginalda und Krankenhaus-Chef Norbert Homann gründete er damals die deutsche Hospizbewegung. In Recklinghausen-Süd eröffnete kurz darauf das Franziskus-Hospiz.

Seitdem macht das Modell Schule. „Ich glaube, dass ich wohl zwei Drittel aller deutschen Hospize kenne, weil sie in Recklinghausen um Rat gebeten haben“, sagt Overkämping, der vor 20 Jahren den Hospiz- und Palliativverband NRW gegründet hat, dessen Vorsitzender er ist. Auch heute noch ist er ein gefragter Experte. Regelmäßig spricht er vor Studenten oder wird zu Tagungen eingeladen. Am 18. Oktober bekommt er daher für sein Lebenswerk den Ehrenpreis des Hospiz-Bundesverbandes verliehen.

In den 40 Jahren als Priester hat er den Wandel des Glaubens miterlebt. „Früher war die Kirche sonntags immer voll“, sagt er. Heute, da wollen sich viele selbst verwirklichen und geraten häufig in Konflikt mit den starren Vorgaben der Kirche. Overkämping zitiert sinngemäß seinen Dozenten Karl Rahna: „Wenn der Glaube verdunstet, dann ist er noch da, nur in einer anderen Form.“ Daraus leitet er sein Credo ab: „Ich gehe auf die Menschen zu und hole sie da ab, wo sie sind.“ Ganz gleich, ob sie sterbenskrank sind oder an ihrem Glauben zweifeln.

Quelle:
Dattelner Morgenpost